BURMA
12.12.2011





Mein Traum, nach Burma zu reisen, hatte sich in diesen Herbstferien erfüllt. Schon lange lauschte ich gespannt den Geschichten und Erzählungen jener, welche in diesem speziellen Land gereist sind. Hier in Thailand bekommt man von Burma von allen Nachbarländern am wenigsten mit. Umso mehr stieg die Neugierde und die Vorfreude auf dieses spezielle Erlebnis.
Das Erlangen eines Visums war eine Geschichte für sich...ich musste vier Mal (!!!) zur Botschaft fahren, welche nicht wirklich um die Ecke gelegen ist. Einmal war ich zu früh (die Einreise muss innerhalb von 30 Tagen erfolgen), einmal war mein Passfoto mit blauem Hintergrund unzulässig und letztlich war auch noch ein Feiertag, so dass die Botschaft geschlossen hatte!!!!! Ich feierte das Erhalten des Visums mit einem feinen Cappuccino. 
Warteschlange vor der Embassy of Myanmar in Bangkok
Mit Yvonne buchte ich schon lange vor den Ferien einen Flug nach Rangoon (Yangon). Die Flugzeit beträgt nur ein wenig mehr als eine Stunde, was ich schon ziemlich erschreckend fand. Myanmar ist so nah und doch so fern!
Auf dem Flug befanden sich auffallend viele Schweizer! Es scheint ein grosses Interesse an Burma vorhanden zu sein. Die Einreise verlief problemlos und der Flughafen erinnerte uns sehr an jenen in Bangkok. Es war sicher mal ein burmesischer Architekt auf Reisen im Nachbarland...
Gleich bei der Gepäckausgabe (einem mickrigen Rollband) wurden wir von einem Burmesen (die Männer tragen Röcke!!!) angesprochen. Er wollte uns in die Stadt fahren. Da er weder aufdringlich noch sonst unangenehm war, willigten wir ein. Er besorgte uns einen Stadtplan, liess das Gepäck zum Auto bringen und plauderte während der Fahrt in die Stadt. Er schien alles über die Schweiz zu wissen!!! Welche Bevölkerungsdichte wir haben, die Sprachen, welche wir sprechen UND er erzählte uns über das ONIONFESTIVAL!!! Uns blieb die Sprache weg...auf der Reise sollten wir jedoch noch sehen, dass enorm viele Burmesen alles über die Schweiz wissen. Wahrscheinlich saugen sie die Touristen einfach aus und speichern die Info, da sie sonst sehr abgeschnitten sind von der Welt.
Unterwegs fuhr er uns zur Busstation, wo wir Geld wechselten (bei lustigen Indern) und uns ein Ticket für den Nachtbus nach Bagan kauften. In der Zwischenzeit bis zur Abfahrt wollten wir noch etwas von Rangoon sehen.
In der Stadt wollte der Fahrer gleich noch Kaffeetrinken gehen mit uns. Wir lehnten jedoch ab und streiften mal durch die Stadt. Schon von Anfang an gefiel mir Burma sehr. Die Menschen waren so freundlich und auf eine echte Art herzlich. Wir liessen die Rucksäcke in einem Restaurant stehen (ja, das kann man in Asien problemlos machen) und gingen so sehr erleichtert durch die Strassen von Yangon (oder Rangoon oder Rangun...wie auch immer). 




Yvi und ich im Spiegel :-)
Die burmesischen Mànnerröcke

Ein paar Stunden vor der Abfahrt mussten wir uns auf der Busstation einfinden. Natürlich wurde erstmal gewartet. Einer der Inder plauderte mit uns und erzählte uns, dass er noch reisen wolle und deshalb nicht verheiratet sei. Und sowieso...Heiraten sei nichts für ihn. "Too much blablabla". Yvonne und ich mussten laut lachen ;-). Wir wurden dann zusammen mit etwa 100 Paketen in einen Bus gepfercht. Die Türen liessen sich nicht mehr schliessen, aber dies schien hier eh nebensächlich zu sein. Überhaupt würde man alle Autos, welche in Burma auf den Strassen fahren, oder sich sogar noch nobel "Taxi" nennen, bei uns nur noch auf dem Schrottplatz finden....


Yvi wartet auf den Bus

Paketbus und anderer Passagier
BAGAN
Der öffentliche Nachtbus nach Bagan war ein ziemliches Abenteuer. Wir die einzigen Ausländer auf dem Bus. Die Sitze am Auseinanderfallen, Aircon eher für Werbezwecke, als wirklich vorhanden. Wir versuchten so gut es ging zu schlafen auf der ca.15h dauernden Fahrt von Rangun nach Bagan. Irgendwann kamen wir bei Pagoden an. Es war drei Uhr morgens und wir sollten um sechs in Bagan sein. Die Leute im Bus begannen auf uns einzureden. "Pagoda, Pagoda!!" und wollten, dass wir aussteigen. Wir dachten, dass sie doch selbst beten gehen können und wir noch ein wenig schlafen. Irgendwann fanden sie dann einen Burmesen, welcher Englisch sprach. Er sagte uns, dass wir in Bagan angekommen seien. 3 STUNDEN ZU FRÜH!!!
Ausser uns stieg natürlich niemand aus. So standen wir da mitten in der Nach an einer winzigen Busstation, eine einzige Lampe brannte, sonst das ganze Land dunkel...phu....schon etwas mulmig das Gefühl im halb wachen Bauch. Wir mussten erst einmal lachen, dass wir partout nicht aussteigen wollten ;-). Die armen, verzweifelten Burmesen, welche die Ausländer aus dem Bus prügeln mussten.
Lange waren wir jedoch nicht alleine. Der Fahrer eines sehr abenteuerlich aussehenden Pferdewagens wollte mit uns auf Hotelsuche gehen. Wir hatten ja wohl keine andere Wahl. Also luden wir die Rucksäcke in das seltsame Gefährt und kletterten auf die Matratze hinten auf dem Wagen. Oh je...das war Abenteuer pur! Er hielt an jedem Hotel an, weckte die halbe Belegschaft und versuchte, ein Zimmer für uns zu finden. Und dies alles mitten in der Nacht in einem Land, in welchem es weder Mobiltelefone noch Bankomaten gibt!
Unser Pferdewagen....
Am folgenden Tag wurde uns erstmal bewusst, in welch besonderem Land wir doch gelandet waren. Es war, als hätte man uns ins Mittelalter zurück geschickt. Alles fuhr auf Pferdewagen, nirgends eine Telefonkabine, keine Banken, keine grossen Häuser, auf den Feldern Ochsen mit Karren, die Strassen höchst selten geteert. Die Freundlichkeit der Menschen nahm uns immer mehr in Bann.
Wir mieteten einen Pferdewagen, welcher uns durch die gewaltige Pagodenanlage der Königsstadt von Bagan fuhr. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie über eine solch grosse Fläche (36m2) verteilt überall diese Tempel standen. Jeder Tempel war unterschiedlich zum Vorhergehenden. Ich habe auch die Tempelanlage in Ankor Wat, Kambodscha besucht. Bagan faszinierte mich jedoch weit mehr. Ein Einwohner erzählte uns, dass vor etwa 20 Jahren die Einwohner aus Bagan vertrieben wurden, um die Tempel zu erhalten, restaurieren und den Touristen zugänglich zu machen! 
Auf dem Pferdewagen durch die Tempelanlage










In einem Tempel wollte uns ein junger Burmese unbedingt Bilder verkaufen. Er ging mit uns durch den Tempel und plauderte mit uns. Er sagte, er werde seine Bilder nicht mehr als 60 Sekunden anpreisen, weil dann das Mind des Käufers eh wieder abschweife. Sehr weise. Er hatte den Eindruck, dass man in Europa KInder in einem Glas kaufen kann (Embryos) und es dann immer eine Überraschung ist, was man kriegt....wir haben selten so gelacht, wie mit ihm. Yvonne suchte sich dann -umgeben von einer ganzen Familie- ein Bild aus.


Yvonne am Aussuchen


Diese Frau hier hatte das Tierchen gezähmt. Es lief frei rum und kam immer, wenn sie pfiff :-) Sie führte uns durch einen weiteren Tempel und wollte uns Glocken verkaufen...






Als es zu regnen begann, machten wir Halt in einem Tempel. Eine Burmesin sass dort und begann mit uns zu sprechen. Sie sagte, die Burmesen würden sich eine gelbe Paste aus Sandelholz ins Gesicht streichen, was als sehr schön gelte und ausserdem vor der Sonne schütze. Uns war auch schon aufgefallen, dass viele Burmesen diese gelbe Farbe im Gesicht trugen. Die Burmesin begann dann also, Yvonne zu verschönern. Wir hatten einen riesen Spass. Die Dame verstrich dann die Sandelholzpaste mit einer alten ZAHNBÜRSTE in unserem Gesicht...das war weniger angenehm....
Danach fand sie, dass wir wunderschön und mindestens 10 Jahre jünger aussähen. Ja, vielen Dank :-)
Und wirklich, die Leute starrten uns an, lachten uns an und machten uns irgendwelche Komplimente, die wir nicht verstanden. Die Veränderung war unglaublich!


Verschönerungsprozedur im Regen
Am Abend, als wir von den Pagoden zurück kamen, entschieden wir uns, gleich in der Nacht nach Inle Lake weiter zu fahren. Wir buchten also ein Ticket bei einem äusserst freundlichen Verkäufer und Yvonne gab ihm die Adresse unseres Hotels an. Er sagte, dass wir vielleicht nicht zusammen sitzen können. Der Bus würde uns um drei Uhr in der Nacht am Hotel abholen.
Wir gönnten uns ein Abendessen und fragten uns, wie der nächste Nachtbus wohl aussehen würde. Nach dem Essen gingen wir zum Hotel. Die Strassen waren nicht beleuchtet und die Region kam uns so gar nicht bekannt vor. Also hier waren wir noch nie gewesen! Irgendwann rief uns ein Mann von einem Moped. Wir dachten, er sei betrunken und gingen weiter. Er schwafelte jedoch etwas von einem Bus....Oh, wir erkannten plötzlich den Ticketverkäufer von der Busstation wieder! Er war ganz aufgeregt. Er sei zu unserem "Hotel" gefahren, da er uns sagen wollte, dass wir im Bus zusammen sitzen konnten (wie süss!!!) und hat herausgefunden, dass wir gar nicht in dem Hotel wohnten. Aha, nun wurde uns auch klar, weshalb wir die Gegend nicht kannten. So peinlich!!! Er war nun in der ganzen Stadt herum gefahren, um uns zu suchen! Wahnsinn, oder?
Wir gingen dann zusammen zu dem Hotel und der Besitzer amüsierte sich köstlich. Wir beschrieben, wie unser Hotel ausgesehen hat und der liebe Mann telefonierte doch glatt in der Gegend rum!!! Telefone sind in Burma selten und sehr teuer!!!
Er fand das richtige Hotel. Wir gaben ihm ein grosses Trinkgeld und machten uns beschämt auf die Suche des richtigen Hotels....
Unser Retter in Not, der Ticketverkäufer von Bagan

INLE LAKE

Der öffentliche Bus von Bagan nach Inle Lake kam 15min zu früh...wir waren uns schon gewohnt, dass in Burma immer alles zu früh war. So wartete der Bus um 2.45 am Morgen (!!) vor unserem Hotel! Wir waren total verschlafen und hatten gleich einen doppelten Schock, als wir den Bus sahen, in welchem wir 15 Stunden ausharren sollten. Also mal ohne viel Worte einfach zuerst die Bilder des Busses:
Steuerrad mit selbstgebastelter Lenkung
SITZE!!!! Autsch, das schmerzt schon beim Anschauen!
Bus von aussen....
Mitten in der Nacht sammelte der Bus dann zuerst überall Leute ein, bis sogar die Notsitze im Flur belegt waren (jene Sitze, welche man noch ausklappt neben den regulären Reihen. Der Flur ist dann mit Menschen gefüllt.) Dem war jedoch noch nicht genug. Sobald der Bus voll war, wurden noch einige Personen und viel Gepäck auf das Dach geladen...So fuhren wir 15h im Schneckentempo durch das Land. Im Vergleich zu den Strassen in Burma sind unsere Waldwege Highways!!!...Wir machten uns einen Spass draus, nicht aus dem Fenster zu schauen. Vor uns stanken zwei Backpacker vor sich hin, neben Yvonne sass ein Mönch und berührte sie sogar an der Schulter! Wir waren regelrecht geschockt! In Thailand dürfen die Mönche nirgends neben Frauen sitzen. Weder im Flugzeug, noch in Bussen oder sonst wo.
Die Fahrt war eine harte Probe. Sämtliche Muskeln schmerzten, wir wussten nicht mehr, wie wir sitzen sollten und es zog. Ich wickelte mich à la Taliban in einen Schal und eine Jacke, ein anderer Mitfahrer setzte den Helm auf.







Im Bus und um den Bus herum....
Endlich, endlich nach einer regelrechten Tortur kamen wir in Inle Lake an. Dort teilten wir ein überteuertes Taxi mit zwei nicht sehr gesprächigen Amis von der Bushaltestelle in den Ort. Gleich das erste Hotel war ein Erfolg! Wir wohnten im "Ankörli". Wir tauften unser Anwesen so, weil es aussah wie ein Gebäude aus der Tempelstadt Angkor Wat.
Wir gönnten uns eine Massage zur Entspannung. Eine sehr spezielle Sache. Die Massage befand sich in einem alten Kuhstall. Die Masseure waren ein Familienunternehmen in der siebten Generation tätig. Sehr speziell. Plötzlich begannen die beiden Masseure auf Yvi und mir herumzutrampeln und massierten sogar im Inneren der Ohren!!! Das Öl wurde erst am Schluss der Massage eingerieben und uns wurde geraten, uns heute nicht mehr zu duschen. Na ja, das fanden wir keine sooo gute Idee.
Wir schliefen lange und erholten uns von den Strapazen der Reise. Danach suchten wir einen Guide für die Tour auf dem See. Wir fanden einen tollen Führer, welcher sich unheimlich um uns kümmerte. Er erzählte uns viel über das Leben in Burma, wollte uns alles zeigen und meinte, er müsse üben. Er wolle im Tourismus tätig sein und habe noch nie eine solche Führung gemacht. Wir waren jedoch sehr erstaunt, als er uns fragte, ob wir Freunde on Facebook werden können....das hätten wir zuletzt erwartet!
Wir fuhren über den See und Min (so hiess der Führer) erklärte uns viel über das Leben der Menschen. Momentan können sie nicht fischen, weil der See zu unruhig sei. Wir fragten uns schon, weshalb wir fast die einzigen waren auf dem riesigen See. Wir schauten uns Tempel an, das riesige Buddha-Boot, welches momentan immer wieder verschoben wurde, um den Leuten Glück zu bringen. Dann besuchten wir einen Silberschmied, eine Weberei, eine Zigarrenfirma und zum Schluss (my favourite), ein Katzenhaus. Das Haus war sehr prunkvoll und schön und darin wohnten nur Katzen! Ein reicher Herr hatte das Haus gebaut und züchtete dort nun burmesische Katzen, welche je 4000-6000 Dollar kosteten. Wir konnten mit den Katzen spielen. Dies war jedoch ein wenig untertrieben. Sobald ich im Katzenraum war, hatte ich etwa 6 Katzen um mich, eine hüpfte auf meinen Rücken und eine direkt in meine Haare!!!! Die wollten auch nicht mehr weg...ich blieb eine ganze Weile während Yvi Kaffee schlürfte und die Landschaft bestaunte. Die Katzen hatten dann jeweils auch noch eine kleine Residenz ausserhalb des Hauses. Ein kleines tempelartiges Haus für jede Katze auf einer nahen Insel. Wahnsinn, echt!
Wir hatten Lunch in einem burmesischen Restaurant. Min sprang sogleich auf und sagte zu mir: "Sorry, I didn't want to sit in your view", als er bemerkte, dass er zwischen mir und dem See sass. Unglaublich, diese Menschen in Burma!!






unterwegs auf dem See



Das Buddha Boot in seiner vollen Pracht

Im Tempel. Frauen sind nicht erwünscht "on stage".


Seidenweberei

Zigarrenfabrikation
Yvi und ich
DAS Katzenhaus :-)...also eher Katzenvilla...
Die kleinen Häuser für die Katzen auf der Insel
Ich im siebten Himmel
Yvi und MIn am Kàfele





Wir fuhren dann weiter zu einer grösseren Tempelanlage, welche im Moment restauriert wurde. Unterwegs zeigte Min uns ein burmesisches Openair. Es war wirklich wie bei uns! Alle sassen am Boden vor der Bühne, rundherum Stände und Süsswaren zu kaufen. Mit dem Unterschied, dass auf der Bühne Tanz und Komödie aufgeführt wurden. Wir waren ebenfalls eine ziemliche Attraktion, als wir an dem Openair auftauchten. Es handelte sich eher um ein Burmese-only Fest....
Wir stiegen dann die vielen Stufen zu den Pagoden hoch. Es war eine sehr schöne Anlage, total ruhig und Touristenfrei. Überhaupt begegneten wir sehr wenigen Touris in Burma, was wir natürlich genossen.
Dann ging's schon bald zurück über den See zum Dorf. Wir verabschiedeten Min und weil es eine solch geniale Tour war, versprachen wir ihm, dass wir am nächsten Tag nochmals mit ihm zu der Höhle der 7000 Buddhas fahren würden.
Wir gingen danach Kaffee trinken. Die Bedienung brachte uns plötzlich noch einen Kaffee. Als Yvi und ich uns ratlos anschauten, lachte sie und meinte: "Happy hour! Also for coffee!" Sowas! Ich liebe Burma!
Später am Abend besuchten wir eine Puppet show. Der Mann führte diese Show schon viele Jahre auf. Er hat zwei Vorstellungen am Abend im improvisierten Theater in seiner Garage. Total süss. Er sagte, der Rekord an Zuschauern diesen Monat sei 7 gewesen...Yvi und ich waren alleine. Er erzählte uns, dass er in Bagan gewohnt habe, aber von der Regierung vertrieben wurde, als diese die Pagoden in Bagan für die Touristen renovieren wollte. Viele tausend Menschen wurden einfach so vertrieben! Nun wohnt er in Inle Lake und fährt hin und wieder mit dem (Horror) Bus nach Bagan. Er sagte, dass er damals viel mehr Arbeit gehabt hätte, in Hotels auftreten konnte. Nun muss er schauen, wie er über die Runden kommt, aber er wolle das Puppenspielen nicht aufgeben, da es von Generation zu Generation weiter gegeben wurde. Es war ein toller Abend!



Open air in Burma






Tempelanlage

Zurück im Dorf




Im Puppet Theater
Pindaya Höhle mit 8093 Buddhas
Am folgenden Tag machten wir uns wieder in der Frühe mit Min auf den Weg zu den Höhlen der 8000 Buddhas. Die Strecke führte durch eine wunderschöne Landschaft, welche sehr derjenigen in der Toskana glich. Die Burmesen nannten diesen Landstrich "die Schweiz Burmas", was nicht so ganz der Wahrheit entspricht.
Die Strassen waren wieder in einem ziemlich abenteuerlichen Zustand, doch unser Fahrer schien ziemlich schlaglochsicher zu sein.
Am Eingang thronte eine Riesenspinne. Da Yvonne und ich beide ziemliche Arachnophobikerinnen sind, war es umso lustiger in fear-pose vor der Spinne ein Foto zu machen.
Min erzählte uns die Geschichte der Riesenspinne. Sieben im See badende Prinzessinnen seien in der Höhle von einer Riesenspinne gefangen gehalten und später von einem Prinzen befreit worden.
Wir bestaunten gemeinsam die Höhle und die Unmenge an goldenen, weissen und zum Teil auch schwarzen Buddhas. Es Funkelte und glitzerte in der Höhle trotz wenig Licht. Ein sehr eindrücklicher Ort. Min schenkte uns ein Goldplättchen, welches wir an der Statue am Eingang aufklebten. Dann ging es barfuss durch das kühle Nass der Höhlen. Wir waren die einzigen Touristen und es war absolut still dort.
Ebenfalls unterwegs besuchten wir ein Kloster und konnten sogar den jungen Mönchen beim Studieren zuschauen. Wobei ich einen erwischte, wie er einer Katze auf den Kopf schlug. Soviel zum Buddhismus...ich schaute ihn dann ein wenig böse an.
Auf dem Rückweg besuchten wir dann eine Familie, welche Papiere für Schirme herstellte und gleicht die Schirme mit sehr einfachen Werkzeugen und selbst erfundenen Maschinen herstellte. Ich kaufte einen Schirm, welcher jedoch so bestialisch stank, dass er immer noch in Quarantäne auf meinem Balkon steht.
Wir genossen nach der Rückfahrt ein total witziges Essen im einzigen indischen Restaurant des Ortes. Die Wirtin servierte uns das Nam (Fladenbrot) in einem Suppentopf und erzählte wirre Sachen über ihre Gewürze.
Danach genossen wir die letze Nacht im Ankörli. Wobei weder Yvonne und ich schlafen konnten. Am Morgen fanden wir heraus, dass wir beide das Gefühl hatten, dass wir nicht alleine waren in dem seltsamen alten Gebäude. Es war echt unheimlich und wir waren froh, dass wir nun das Hotel verliessen.
Bevor wir jedoch den Bus nach Rangun nahmen, mieteten wir noch Fahrräder, um dem Inle Lake entlang zu den heissen Quellen zu fahren. Die Räder waren in einem sehr altertümlichen Zustand, 2.5 Gänge, eine funktionierende Bremse und auffallendes Uraltdesign. Aber das spielte keine Rolle. Wir hatten enormen Fun über die holprigen mit Löchern übersäten Strassen zu hottern, um in einer Stunde durch eine wunderschöne Landschaft zu den Quellen zu fahren. Diese waren etwas enttäuschend und wir hätten sie beinahe verpasst. Aber der Weg zählt und die Fahrt war wirklich ein Erlebnis. Yvi hätte beinahe noch eine Schlange überfahren!


Mönchskloster



Die burmesische Schweiz

Yvi und ich mit der Riesenspinne





Die Pindaya Höhlen




Schirmherstellung
Uralter Buddha-Baum



Yvonne mit dem tollen Mietrad


unterwegs mit dem Bike
Auf diese Weise müssen burmesische Frauen Steine transportieren und zerkleinern!!!
Nach unserer Radtour sattelten wir den Rucksack und machten uns auf die Suche nach einem Taxi zur Bushaltestelle. Dies war nicht so einfach. Ein Pickup, bis über's Dach gefüllt mit Tomaten, wollte uns mitnehmen. Yvi war dies ein wenig zu abenteuerlich und sie bestand auf ein normales Taxi. Wir mussten dann ziemlich lange warten, bis sie genug Touristen gesammelt hatten.
Wir hatten Glück und erwischten einen für burmesische Verhältnisse bequemen Bus. Wir waren fast die einzigen Frauen an Bord. Bald schon schlossen wir Freundschaft mit unserem Nachbarn in der anderen Sitzreihe. Er fragte viel und übersetzte uns, wenn's um Pausen oder ähnliches ging. Irgendwann stieg ein Passagier mit drei Holzrugeli zu. Sonst hatte er kein Gepäck...was einem nicht alles so geschieht in dem Burma!
Unterwegs wurde unser Bus von der Polizei gefilzt. Sie durchsuchten Taschen, beleuchteten jeden Pass/ID sehr genau. Von Yvonne und mir und unseren hart erkämpften Reisedokumenten nahmen sie jedoch keine Notiz!! Wir waren sehr enttäuscht, zur Belustigung der Mitreisenden :-).
Wir hielten hin und wieder bei Hütten, welche Essen anboten. An einer "Raststätte" wollten Yvi und ich Mandarinen kaufen. Die Händlerin bot uns zwei Mandarinen zu horrenden Preisen an, wir lehnten ab. Eine arme burmesische Familie hinter und bekam dies mit und SCHENKTE uns reichen Ausländern vier Mandarinen!!! Die Menschen in Burma sind einfach unglaublich!
Nach einer weiteren Nacht mit wenig Schlaf in einem lokalen Überlandbus (diesmal durften wir noch die ganze Nacht irgendwelche burmesischen Filme über von Geister besessene Mofas schauen) kamen wir in aller Frühe in Rangun an. Unser Sitznachbar wollte unbedingt für uns ein gutes Taxi finden. Er verhandelte und kam dann auch persönlich mit, damit wir ja eine gute Unterkunft kriegten. So fuhr er zwei (!!) Stunden mit uns durch die Gegend. Er hätte schon lange zu Hause sein und schlafen können, aber nein....er bestand darauf, uns sicher zu einem Hotel zu bringen. Danach wollte er den öffentlichen Bus nehmen, für die Heimfahrt. Wir glaubten dies kaum! Unglaublich!!! Wir bestanden dann jedoch darauf, ihm wenigstens das Taxi bezahlen zu dürfen.
Den letzten Tag in Burma verbrachten wir mit dem Besuch der riesigen Shwedagon Pagoda in Rangun. Wir waren sehr beeindruckt von dem wunderschönen Bau. Überall glänzte goldene Stupas und Figuren, einfach atemberaubend! Es war ein sehr schöner Abschluss unserer lustigen und abenteuerlichen Reise in ein Land, welches ausserhalb unserer Zeitrechnung stehen geblieben ist.
Das Taxi, welches wir am Vorabend auf der Strasse bestellt hatten, holte uns früh morgens ab. Natürlich waren sie wieder eine Viertelstunde zu früh da und putzten schon eifrig die Rückspiegel Im Innern war nicht mehr viel vom Auto zu sehen. Die Verschalung war verschwunden, die Sitze teilweise auch. Aber egal, Hauptsache, es fuhr noch :-)
Schweren Herzens machten wir uns wieder auf den Weg in die Zivilisation. Ich bin mir sicher, dass ich nochmals länger nach Burma zurückkehren werde.


KURIOSITÄTEN
Telefonkabine auf Burmesisch
Hupen verboten...es war jedoch so laut, dass man eine Hupe eh nicht gehört hätte :-)
Geniale Vorrichtung, um Post in den obersten Stock zu befördern :-)
Posted by puzzli2 21:40 Comments (0)









































































































































































































































































































































































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...aufräumen nach dem Elefantendurchmarsch



































































































































Am Bootssteg[/b]


















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